Ornito- & Meteorologie

Wir besuchen die Azoren, bekannt als „Hoch“ und daher höchst beliebt. Aber eigentlich müsste die Insel „Busardo“ heißen. Von Elsa-Maria Honecker

Bekannt sind sie als die „Wetterküche Europas“ – die neun portugiesischen Atlantikinseln, die über 1300 Kilometer vom europäischen Festland und rund 2300 Kilometer von Kanada entfernt liegen. Von hier kommt das „Hoch“ und zwar eines der beständigsten mit trockenem heißen Wetter – genau  so wie wir es jetzt haben. Aber trotz subtropischen Klimas bringt gerade die Lage inmitten des Atlantiks die angenehmen Temperaturen: sommers bis 25°, im Winter um die 15° und ausreichende Niederschläge zu allen Jahreszeiten. Auch im Sommer regnet es schon mal kräftig. Kein Problem für den Golf-Freak , denn ein wenig kühles Nass von oben wirkt erfrischend und steigert die Konzentration. Zwar haben sich die Ilhas dos Acores – fälschlicherweise als „Habichtsinseln“ benannt, weil Diogo de Silves 1427 die in Scharen anwesenden Bussarde mit Habichten verwechselt hatte – erst in den letzten Jahren still und heimlich als mögliche Golfdestination bekannt gemacht, gelten aber für passionierte Golfer immer noch als Geheimtipp. Bis heute gibt es 45 Löcher auf Sao Miguel, der Hauptinsel und 18 auf Terceira aber weitere sind in der Planung.

Die Azoren wurden fälschlicherweise als „Habichtsinseln“ benannt, weil Diogo de Silves 1427 bei seiner Entdeckung der Insel, die in Scharen anwesenden Bussarde mit Habichten verwechselt hatte

Loch 11 am Furnas GC mit seiner imposanten Bunkerlandschaft

Zum Golfen nach São Miguel.

Luftige 22 Grad, eine frische Brise vom Atlantik, Grün in allen Schattierungen, ein paar weiße Wölkchen, die den Himmel noch blauer erscheinen lassen und Hortensienblüten soweit das Auge reicht – das war mein allererstes Willkommensgeschenk bei der Landung am Flughafen von Sao Miguel. Übrigens mit SATA Air Acores direkt in vier Stunden ab MUC. Sao Miguel zählt nicht nur zu den abwechslungsreichsten Azoreninseln sondern bietet auch für den Golf interessierten Gast gleich zwei Golfanlagen, die es mit jeder Gartenausstellung bei uns hier locker aufnehmen könnten.

Schon das Blumen umrankte Clubhaus des Batalha Golf Clubs mit englischem Interieur zeigt den guten Geschmack des Architekten Bom Cameron, der die drei 9-Loch-Plätze in einem Mix aus Links-, Parkland und Waldland-Course rund um das Clubhaus herum konzipiert hat. Und während wir auf dem A wie „Azalea“ und B-Kurs auf schönen breiten Fairways mit Azaleen und Hortensienbüschen teils am Meer, teils im hügeligen Gelände mit phantastischem Rundblick spielen, geht es auf dem C-Kurs in ein waldreiches Gelände voll Eukalyptus-Duft und tollem Blick bis zum Meer. Wahrscheinlich genießen hier besonders die Ladys den Kontrast zwischen azurblauem Meer und tiefgrüner Landschaft. Männer sind da mehr Ball orientiert und haben ihren Score im Focus, denn der kann schon mal im hügeligen Lauf der Fairways zusammenbrechen. Trotz phantastischen Layouts ist dieser Platz mit Par 72 keinesfalls einfach und deshalb auch Austragungsort der Senior Tour mit internationalen Teilnehmern. Von der Hauptstadt Ponte Delgada sind es dorthin gerade einmal eine halbe Stunde Fahrt in den Norden durch viele landschaftlichen Höhepunkte mit einer Vegetation zwischen tropischem Regenwald und Nadelbäumen, die man auch bei einer Fahrt über die Insel  überall antrifft. Vor allem auf einer Sightseeing-Tour nach Sete Cidades im Westen der Insel, wo man vom „Miradouro da Vista do Rei“ einen im wahrten Sinne des Wortes echte „Königsblick“ auf die beiden grünlich blau schimmernden Kraterseen Lagoa Azul und Lagoa Verde hat.

Ebenfalls auf vulkanischem Grund wurde der Furnas Golf Course  Ende 1930 ursprünglich als 9-Loch-Platz vom schottischen Architekten Mackenzie Ross gebaut. 60 Jahre später bekam er dann weitere neun Spielbahnen dazu. Auch wenn er auf den ersten Blick als schöner Parkland-Course wirkt, hat er doch auch typisch schottische Züge und gilt deshalb  auch als der „britischste“ aller portugiesischen Golfplätze. Ich schreibe in mein Golf-Tagebuch: wellige Fairways, Doglegs zwischen hohen alten Bäumen, unterschiedlichste Fauna – vom Alpengras bis zum Bambus an den Teichen, stark ondulierte Grüns und sehr kühl! Der Platz liegt nämlich auf 500 Metern. „Signature hole“ ist zum Beispiel die 12. Bahn mit weitem Schlag durch ein schmales, von Bäumen umrandetes Fairway zu einem Grün, das versteckt zwischen Bunkern liegt.

Außerdem liegt dieser Platz in einer der schönsten Gegenden der Insel Sao Miguel mit fantastischer Aussicht auf das Furnas-Tal, das für seine tropische Vegetation, die heißen Quellen und das Mineralwasser sowie für den größten und schönsten See der Insel berühmt ist.

Ein Bad in den heißen Quellen von Furnas

Weiße Dunstschwaden und eine Brise Schwefelduft empfängt uns schon beim Ankommen in Furnas und dann ist man auch gleich mitten drin zwischen brodelnden Quelltöpfen (Caldeiras) und kochend heißem Wasser , das aus den Felsöffnungen herausläuft. Im Parque Terra Nostra gibt es dann auch das passende Thermalbad dazu mit heilender Wirkung. Leider ist das eisenhältige Wasser mit seiner bräunlichen Farbe ziemlich unansehnlich und es kostet einige Überwindung, sich dort hineinzusetzen.

Doch die lauschige Badestelle „Poca da Donna Beja“, wo auch die Einheimischen baden, ist einfach zu einladend. Hier sitze ich zwischen zwei Felsen aus denen das 36° heiße Wasser heraussprudelt und schwitze bei 20° und leichtem Regen. Und wenn man schon in dieser Ecke der Insel ist, sollte man sich den Botanischen Garten und das charmante Terra Nostra Hotel nicht entgehen lassen.

Bei Caldeira Velha sind es aber nicht nur die heißen unterirdischen Quellen, die die Urlauber hier anlocken sondern auch die Erdlöcher, aus denen es köstlich duftet. Denn die Erdwärme wird hier auch zum Kochen genutzt. Dazu werden beim „cozido“ verschiedene Fleischsorten mit Gemüse in großen Töpfen etwa fünf Stunden in der Erde gegart. Es ist lustig zu beobachten, wie die Einheimischen dann ihre Töpfe aus dem Erdloch holen und zum Familienessen auf den Bänken rundum zusammensitzen. Ich genieße den „Eintopf“ in einer eigens dafür konzipierten Scheune mit einem Glas Rotwein von der Insel Graciosa und versuche nicht an die Kalorien zu denken.

Fine Dining & Wohnen mit Aussicht

Überhaupt ist die auch touristisch gesehen bedeutenste Insel Sao Miguel ein Schlemmerparadies par excellense. Und in Luis Cogumbreiro von der „Panazorica Agentur“, die hier so ziemlich alles managt, finde ich den besten Gourmet-Guide. Ob im „Paladares da Quinta“ oder im „Delicias do Mar“, einem der besten Fischlokale der Insel. Modern, stylisch aber mit typisch portugiesischen Kacheln an den Wänden serviert man hier  Köstliches vom Fisch zu wahrlich moderaten Preisen. Die Speisekarte auf dem IPad bietet Gerichte um die 12 Euro, dazu Weine zwischen 10 und 15 Euro und Bier ab zwei Euro – ein wahrlich preiswertes Schlemmerparadies! Auch was die Hotels betrifft gibt es erstaunlich viele Varianten im Vier-Sterne-Bereich. Ob das moderne Royal Garden Hotel mitten in Ponta Delgado mit asiatisch angehauchtem Ambiente und wunderschönen Garten im Innenhof oder das rosarote Bahia Palace Hotel in Aqua d´Alto direkt am Strand gelegen und nicht zuletzt mein Favorit – das Caloura Hotel in Aqua de Pau ganz in weiß auf einer Felsklippe über dem Meer. Ich bin überwältigt von der leuchtenden Blumenpracht zwischen dunklem Lavagestein, von den Meerwasser-Basins im Felsgestein und der feinen Speiseauswahl im Restaurant. Kein Wunder, dass hier das Golf-Klientel gerne logiert. Aber es gibt hier auch noch ein Leben ohne Golf mit Segeln, Walbeobachtung, Schwimmen mit Delfinen, Tauchen, Reiten und Hochseefischen. Ich komme wieder und zwar im Frühjahr wenn es hier anfängt an allen Ecken zu blühen – von den exotischen Strelizien,  Avalen bis zu den alles beherrschenden endlosen Hortensienhecken in weiß und blau, dem Wahrzeichen der Azoren.

Die Azoren: Simply good 2 know

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