Sonderregeln

„Es gibt keinen sichereren Weg, eine Regel zu lernen, als gegen sie zu verstoßen und dafür bestraft zu werden“. Tom Watson. 34 Regeln und knapp 1.000 Seiten Sonderregeln machen aus Golf hin und wieder zu Diskussions-Foren.

Noch sind die neuen Ready Golf-Regeln nicht in Kraft getreten –  und auch ab 2019 werden eine Menge Fragen rund um Golfregeln offen bleiben

Im Grund ist die Sache ganz einfach. „Golf spielen ist, einen Ball mit einem Schläger durch einen Schlag oder aufeinanderfolgende Schläge in Übereinstimmung mit den Regeln vom Abschlag in das Loch zu spielen.“ So will es die Regel 1-1, die gemeinsam vom 1754 gegründeten Royal & Ancient Golf Club of Saint Andrews (R&A) und der United States Golf Association (USGA) herausgegeben wurde.

Es gibt nur 34 Regeln, womit Golf eigentlich ein übersichtlicher Sport wäre. Die Realität sieht freilich anders aus. Auf knapp 1.000 Seiten werden in den „Decisions on the Rules of Golf“ alle erdenklichen Sonderfälle geregelt. Und das alle vier Jahre in überarbeiteter Fassung.

„Es gibt keinen sichereren Weg, eine Regel zu lernen, als gegen sie zu verstoßen und dafür bestraft zu werden“. Tom Watson.

Gemeinsam mit dem R&A Referee Elgar Zelesner haben wir uns über einige der interessantesten und skurilsten Fragen rund um Sonderregeln unterhalten.

Alles bereits vorgekommen: Die auffälligsten Regelanwendungen auf der Tour:

1) Ball und Baum: Bernhard Langer hat es 2013 vorgezeigt, Sergio Garcia hat es ihm 2013 nachgemacht. Beide spielten direkt vom Baum. Sergios einhändiger Schlag mit dem Rücken zur Schlagrichtung landete mitten auf dem Fairway, Langer chippte sogar auf das Grün. Rory McIlroy entschied sich anders und nahm den Drop in Kauf.

Wer weniger kletterfreudig ist kann sich so helfen: „Grundsätzlich muss der so gespielt werden, wie er liegt. Also darf oder muss man auf den Baum klettern und weiterspielen. Fällt der Ball allerdings durch die Kletterbewegungen herunter, kassiert man einen Strafschlag und muss ihn wieder zurücklegen. Ist der Ball nicht erreichbar oder erklärt ihn der Spieler für unspielbar, wird der Ball innerhalb zweier Schlägerlängen von dem Punkt auf den Boden fallen gelassen, der genau unterhalb der Stelle ist, an der sein Ball auf dem Baum lag – mit einem Strafschlag natürlich“ meint der Experte.

2) wie viele Schläger? Kaum zu glauben, aber diese Regelung hat Ian Woosnam den Sieg bei den British Open gekostet. Bei einem Turnier sind bis zu 14 Schläger im Bag erlaubt. Die unglaubliche Hintergrund-Geschichte: Der Caddie hatte vergessen, einen Driver, den Woosnam auf der Range getestet hatte, wieder aus dem Bag zu nehmen. Aufgefallen ist das Missgeschick am Finaltag am zweiten Abschlag. Zu dem Zeitpunkt hat Woosnam um einen Schlag geführt. Nach dem Bemerken des Fehlers aber leider nicht mehr.

„Zu viele Schläger im Bag bringen zwei Strafschläge, es ist aber nicht verboten, mit nur einem Schläger zu spielen“ ist die regelkonforme Auskunft des Referee.

3) Ball am Nachbar-Grün? Auch das bereits auf der Tour gesehen. Der Südkoreaner Noh Seung-Yul spielte 2014 beim US-PGA-Turnier „The Barclays“ den Ball direkt vom Nachbargrün auf das eigentlich angezielte. Die Greenkeeper weinten und der Golfer kassierte zwei Strafschläge. Das ist zudem keine Sonderplatzregel, sondern eine der 34 Rules of Golf.

„Der Spieler muss den nächstgelegenen Punkt ausserhalb des Greens, und nicht in einem Hindernis ermitteln und ausgehend von diesem Punkt seinen Ball innerhalb einer Schlägerlänge, nicht näher zur Fahne, fallen lassen. Das geschieht straffrei“ weiß Elgar Zelesner. „Bitte keinesfalls weiterspielen als läge der Ball auf einem Fairway. Das gibt Ärger mit den Greenkeepern und zwei Strafschläge.“

4) Ball auf Mensch oder Tier? Für alle Eventualitäten ist gesorgt, auch folgender unglaubliche Fall ist klar geregelt: 2014 Tour Championship und Rory McIlroy. Ball links in die Bäume, danach herabgefallen und direkt in die Hosentasche eines Zusehers, der ausweichen wollte. Der Referee weiß Bescheid: „Die Lösung ist viel einfacher, als befürchtet. Der Ball wird aus der Hosentasche geholt, und der Spieler darf straffrei droppen, weil der Zuschauer nicht zum Spiel gehörend ist. Gleiches gilt auch für die viel zitierten Pythons, Wasserbüffel und anderes Getier. Aber auf solchen Plätzen gibt es ohnehin meist Sonderplatzregeln. Man muss also nicht vom Rücken eines Krokodils weiterspielen, sondern darf in sicherer Entfernung, aber nicht näher zum Loch, straffrei droppen.“

Skurile Fälle von Regelanwendungen

1) Ball mit losen hinderlichen Naturstoffen? Egal ob ein Ball im Bunker auf einer Bananenschale liegt oder eine Biene auf dem Fairway auf dem Ball sitzt, die Regeln sind klar: „ Ball auf Bananenschale im Bunker ist Pech. In einem Hindernis dürfen lose, hinderliche Naturstoffe nicht bewegt werden. Wenn der Spieler die Bananenschale entfernt, bekommt er zwei Strafschläge. Anders auf dem Fairway. Hier liegt die Schale nicht in einem Hindernis. Liegt die Schale so dass der Ball nicht bewegt wird, darf sie entfernt werden. Liegt sie unter dem Ball und bewegt sich der Ball beim Entfernen gibt es zwei Strafschläge. Auch die Biene, die im Bunker auf dem Ball sitzt, darf weggeschnippt oder verscheucht werden, wenn der Ball oder der Sand nicht berührt wird. Berührt man allerdings Ball oder Sand, gibt es zwei Strafschläge, weil die Biene im Bunker als loser, hinderlicher Naturstoff gilt. Auf dem Fairway darf man straffrei einen Bienenstich riskieren.

2) Nicht durch Regeln erfasste Einzelheiten? Ein interessanter Fall aus dem unendlichen Fundus Internet. Der Ball liegt in einem frontalen Wasserhindernis und ist grundsätzlich gut spielbar. Mit dem nächsten Schlag würde allerdings ein Vogelnest mit Eiern zerstört. Zelesner stellt fest: „Ein Spieler muss nicht um jeden Preis ein Vogelnest beschädigen. Auch in einem Hindernis darf der Spieler die Regel 1-4 – nicht durch Regeln erfasste Einzelheiten – anwenden. Er darf den nächstgelegenen Punkt feststellen, der nicht näher zum Loch liegt – und bei dem das Nest nicht beschädigt wird –, und straffrei innerhalb einer Schlägerlänge, aber nicht näher zum Loch, droppen.“ Der Ball muss aber in demselben Hindernis gedroppt werden. „Ist das nicht möglich, muss in einem nahe gelegenen gleichartigen Hindernis gedroppt werden – natürlich in einem, das nicht näher zum Loch liegt.“

3) Ball im Erdloch? Kommt gar nicht so selten vor. „Innerhalb der Fairwaygrenzen gibt es einen Freedrop; im Rough und im Gelände muss der Ball identifiziert werden – sonst gilt der Ball als verloren. Wird er nicht gefunden, weil er im Erdloch verschwunden ist, muss von der Stelle des letzten Schlags mit einem Strafschlag weitergespielt werden.“

Etikette und Reglement

1) Langsamer Flight voraus? Wer kennt das nicht? Der Flight davor spielt so langsam, dass längst der Kontakt zum nächsten abgerissen ist, dahinter stauen sich die Nachkommenden. Spielverzögerung ist kein Kavaliersdelikt. „Wenn das Spiel unangemessen verzögert wird, etwa durch extrem langsames Gehen oder zu lange Suche nach einem Ball, gibt es erst eine Verwarnung durch einen Referee. Der betreffende Spieler wird ‚auf die Uhr genommen‘. Das heißt, dass er sein Spiel beschleunigen muss, andernfalls kassiert er Strafschläge“, erklärt Zelesner. Die genauen Richtlinien werden von der Wettspielleitung festgelegt.

2) Wutanfälle? Auch Etikette-Verstöße können geahndet werden. „Wenn bei einem Turnier ein Spieler permanent den Schläger wegwirft, einen Rechen übers Knie bricht, unflätig schimpft oder ähnliche Unappetitlichkeiten begeht, kann er mit zwei Strafschlägen belangt werden. Wenn er sein Verhalten nicht ändert, kann er auch disqualifiziert werden.“ Rory McIlroy beging letztes Jahr bei der Cadillac Championship einen herrlichen Verstoss gegen die Etikette. Nach einem Schlag ins Wasser schickte er sein 3er Eisen gleich nach. „Ich wusste, dass ich es heute nicht mehr brauchen würde“, grinste er anschliessend beim TV-Interview. Der Fauxpas blieb ohne Folgen. McIlroy erhielt keine Strafe, und sogar seinen Schläger zurück, nachdem der Klubbesitzer, Donald Trump, einen Taucher in den Teich geschickt hatte.

3) Handy am Kurs? Auch der Gebrauch von nervenden Handys auf dem Platz ist geregelt. „Früher herrschte striktes Handyverbot. Ein Klingeln hat die sofortige Disqualifikation nach sich gezogen, bei Teambewerben wurde gleich die ganze Mannschaft disqualifiziert “, weiss der Schiedsrichter zu berichten. „Inzwischen ist in medizinischen Notfällen das Telefonieren erlaubt. Jetzt dürfte man sogar die Mama anrufen und fragen, wie es ihr geht. Zum Problem wird es, wenn sich der oder die Flightpartner gestört fühlen. Dann gibt es auch Strafschläge und die Disqualifikation. Sich telefonisch Tipps zum nächsten Schlag oder zur Spielbahn zu holen ist verboten und kann zur Disqualifikation führen.“

„Golf-der perfekt geregelte Wahnsinn“. Erich Helmensdorfer

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