Happy Birthday Maudi!

Zum heutigen 50. Geburtstag von Markus Brier erlauben wir uns etwas ganz Seltenes: Das wunderbare Doppelinterview mit ihm und André Bossert aus der aktuellen Simply Golf Ausgabe gibt’s ausnahmsweise zu seinen Ehren auch online zu lesen. Und dann heißt’s die Daumen drücken – morgen startet Markus sein Debut auf der Seniorstour im Rahmen der Swiss Seniors Open in Bad Ragaz.

Diesmal ist er der Jüngste. Einen Tag nach seinem 50er startet Markus Brier nach fünf Jahren Profi-Pause neu durch. Als besonderes Geburtstagsgeschenk gibt’s für alle das spannende Doppelinterview der Freunde zur Neuauflage ihres Duells aus 2008 bei den MAN NÖ Open in Adamstal hier zu lesen.

Es war ein epischer Fight, den sich Lokalmatador Markus «Maudi» Brier und der Schweizer Routinier André «Bossy» Bossert am 20. Juli 2008 in der Finalrunde der MAN NÖ Open im GC Adamstal lieferten. Gleichstand nach 72 gespielten Löchern, ein Stechen musste über den Sieg bei diesem Challenge-Tour-Event entscheiden. So sehr sich die Zuschauer einen Heimsieg des Wieners gewünscht hätten, der Siegercheck gehörte nach dem ersten Extra-Loch dem Schweizer.

Häufig haben sich die Wege von «Bossy» und «Maudi» in den letzten Jahren nicht gekreuzt, nun könnte aber «zehn Jahre nach Adamstal» die Revanche anstehen: Brier gibt am 6. Juli bei der Swiss Seniors Open in Bad Ragaz sein Debüt auf der Staysure Tour (European Senior Tour) – bei Bosserts Heimturnier auf dem Circuit der Ü-50-Professionals, dem dieser seit knapp fünf Jahren angehört. Auch für Brier wird es «fast» ein Heimspiel werden: «Die Ostschweiz und Westösterreich sind Nachbarn, Bad Ragaz ist nicht weit von Vorarlberg entfernt. Ich hoffe einige Fans in der Umgebung zu haben, die mich wieder einmal spielen sehen wollen», gibt sich der Wiener zuversichtlich. Bevor es soweit ist, hat «Simply Golf» die beiden Golf-Legenden aus der Schweiz und Österreich nach ihren Erinnerungen an Adamstal 2008 gefragt.

Erinnern Sie sich noch an den 20. Juli 2008?

André Bossert: Natürlich erinnere ich mich an diesen Tag, an dem ich meinen dritten Sieg auf der Challenge Tour feierte. Auf den bin ich übrigens nach wie vor sehr stolz. Es war mein grösster Erfolg nach meiner Verletzung, das Comeback sozusagen und der Beweis, dass sich die harte Arbeit gelohnt hatte. Ein für mich sehr befriedigender Tag – auch, weil ich im Kampf um den Turniersieg zwei European-Tour-Spieler geschlagen habe. Markus spielte zu der Zeit auf der regulären Tour und mit dem Schweden Klas Eriksson fand sich noch ein weiterer ehemaliger European-Tour-Spieler in unserem Flight. Diese beiden starken Spieler im Feld machten den Sieg umso wertvoller.

Markus Brier: Stimmt, für mich war die Teilnahme in Adamstal einer meiner üblichen Österreich-Ausflüge auf die Challenge Tour. Ich habe ohne jeglichen Druck spielen können und einfach die Woche genossen. In der Finalrunde waren dann die drei ältesten Spieler des Turnier im letzten Flight versammelt (lacht) – es war eine wirklich lustige Runde.

Vor allem war es eine hart umkämpfte Finalrunde mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum letzten Loch. Was ging Ihnen durch den Kopf, als André Bossert an der 7 – dem «Green Monster» – nach eher suboptimalem Spiel von Tee-to-Green den Ball von ausserhalb mit einem Pump-and-Run zum Birdie lochte?

Markus Brier: An die Sieben kann ich mich leider nicht mehr erinnern, nur daran, daß es immer hin und her ging – das war genau die Art von Challenge, die für Spieler und Zuschauer interessant ist.

André Bossert: Um ehrlich zu sein, auch ich kann mich an dieses Birdie nicht mehr erinnern.  Aber: Wenn’s dein Tag ist, dann passieren solche guten Dinge. (lacht)

An der 16 musste Markus Brier im Bunker stehend einen Schlag abbrechen, weil sich eine Zuschauerin geräuschvoll bewegte. Was denkt man als Spieler in solch einem Moment?

André Bossert: An diese Szene kann ich mich noch sehr genau erinnern. Und auch, was davor passiert ist – wir haben beide ein Eisen 5 ins Grün geschlagen, Markus’ Ball ging nach rechts und landete in schwieriger Lage hinten am Bunker. Ich dachte, jetzt muss er zaubern, um das Par zu retten.

Markus Brier: Dass sich Zuschauer geräuschvoll bewegen, passiert leider immer wieder; ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich fang’ dann einfach nochmals mit meiner Routine an und spiele weiter.

Sie lochten den Ball aus dem Sand zum Birdie und zogen wieder mit André, dem Leader, gleich.

Markus Brier: Da habe ich mich natürlich gefreut, daß ich wieder dran war. Der Schlag selbst war natürlich gut – daß der Ball ins Loch fällt, hat auch mit Glück zu tun.

André Bossert: Das war unglaublich! Völlig unerwartet aus dieser Lage! Es war ein grossartiger Schlag und sehr verdient. Da konnte ich Markus nur gratulieren.

Auf dem letzten Abschlag war Sie, André Bossert, wieder einen Schlag vorn – dank eines mirakulösen Birdies an der 17. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie auf der 18 vom Tee zum Green marschierten – Briers Ball am Grün aber 7 Meter von der Fahne entfernt, Bosserts Ball im Vorgrün?

André Bossert: Mein Annäherungsschlag auf der 17 mit dem Eisen war sehr gut und auch der Birdie-Putt sass, konnte ich mit viel Selbstvertrauen und einem Schlag Vorsprung auf die 18 gehen. Ein guter Eisenschlag geriet dann aber etwas zu kurz, der Ball blieb am Grünrand hängen. Ein guter langer Putt verschaffte mir ein Tap-in zum Par. Und dann sah ich, wie Markus seinen langen Putt lochte! Ich erinnere mich genau, es waren über sieben Meter. Ganz ehrlich: da fühlt man sich im ersten Momtent ein bisschen des Sieges beraubt. Aber der Putt war so gut, da konnte ich Markus einfach nur gratulieren.

Markus Brier: Für mich war die Situation nach dem gelungenen Tee Shot nichts Besonderes. Ich versuchte einfach mich nur auf den nächsten Schlag einzustellen und die Situation nicht überzubewerten. Diese Methode hatte sich vorher schon oft bewährt.

Das Stechen fand dann wieder auf der 18 statt. Briers Ball landete im Sand, jener von Bossert am Grün. Ist man in einer solchen Situation angespannter als in einer «normalen» Turnier-Situation?

Markus Brier: Im Stechen bin ich eigentlich weniger angespannt als im normalen Spiel. In Adamstal hatten wir beide gut gespielt, und bei einem Stechen spielt der Zufallen stets ein wenig mit.

André Bossert: Ich war da wohl nervöser. Markus machte vom Tee einen Fehler und schlug den Ball in den Bunker, aber er hatte kurz zuvor an der 16 aus dem Sand eingelocht, ich konnte also nicht wirklich entspannt zum Grün marschieren. Dann passierte etwas für Markus völlig Untypisches – er brachte den Ball mit seinem zweiten Schlag nicht aus dem nassen Sand, erst der dritte landete in der Nähe der Fahne. Da war mir klar, dass ein 2-Putt zum Sieg reichen würde. Trotzdem war ich nervös, aber ich denke, ich machte einen sicheren 2-Putt. (lacht)

Adamstal, Loch 11

Zehn Jahre danach – sinnt Markus Brier auf eine Revanche in Bad Ragaz? Immerhin hat Ihnen André Bossert damals in Adamstal einen Heimsieg vor der Nase weggeschnappt.

Markus Brier: Nein, gar nicht. (lacht) André hat sich den Sieg damals verdient – aber ein Stechen in Bad Ragaz wäre ein lustiges Déjà-vu.

Sie beide am 8. Juli 2018 beim Swiss Seniors Open am Finaltag im letzten Flight – dürfte man sich da als Zuschauer auf einen verbissenen Zweikampf oder eher auf eine harmonische Flight-Paarung freuen?

Markus Brier: Definitiv auf eine harmonische, freundschaftliche Runde.

André Bossert: Das sehe ich auch so, das wäre definitiv ein harmonischerFlight. Wir beide sind uns sehr ähnlich, vom Spiel und vom Charakter her. Wir sind beide Wettkampftypen, aber sehr fair und anerkennen die guten Schläge unserer Mitspieler. Wenn wir beide am Sonntag in Bad Ragaz gemeinsam im Leaderflight spielen sollten, ist Spass garantiert.

Darf man Medienberichten aus dem Jahr 2008 glauben, wirkten Sie beide auf der Finalrunde in Adamstal sehr kollegial, die Umarmung am 18. Loch gar freundschaftlich. Wie eng war Ihr Kontakt in den vergangenen zehn Jahren?

Markus Brier: Wir kennen uns schon sehr lange und gut. Freundschaften bestehen auch auf dem Golfplatz – selbst in so einer Situation wie 2008 in Adamstal. Ich war damals fix auf der European Tour; so gesehen war der Sieg bei diesem Challenge-Tour-Event für André wichtiger als für mich. Deshalb hab’ ich mich auch nach dem verlorenen Stechen irgendwie trotzdem freuen können – obwohl man natürlich immer gewinnen will. Die letzten zehn Jahre hatten wir beide nicht sehr viel Kontakt, uns nur ab und zu bei einem Turnier – zum Beispiel beim Omega European Masters in Crans oder der Zürich Open – gesehen. Das wird sich ab Juli hoffentlich ändern, wenn ich regelmässig auf der Staysure Tour spiele.

Autorin: MIRJAM FASSOLD

Bad Ragaz

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